Der große Auftritt


 Der Auftritt vor Publikum

macht jeden Künstler nervös, auch den abgebrühtesten. Allerdings zeigt sich das Lampenfieber bei dem einen mehr, beim anderen weniger. Hier sind einige Tips, wie du dich auf deinen Auftritt optimal vorbereitest und wie du das Lampenfieber in den Griff bekommst.

 

Der Liveauftritt ist das Ziel all deiner harten Arbeit als Künstler. Dafür hast du geackert, deine Songs komponiert und sie einstudiert. Nun willst du sie präsentieren und auch sehen, ob du als Künstler dein Publikum überzeugen kannst. Und da du noch nicht weißt, wie das Publikum auf dich reagieren wird, bist du natürlich nervös. Als ich mich mal mit einem Schauspieler über das Lampenfieber unterhielt, sagte er mir: “Du kannst eben Blumen oder Tomaten ernten.” Und genau dieses Risiko macht einen so nervös, wer will denn schon Tomaten ernten?

 

 

 

Du kennst deine Stücke vom Proben her in- und auswendig, trotzdem ist die Situation auf der Bühne eine völlig andere. Da ist anderes Licht, alles was du spielst klingt anders, da sind all die Menschen… Das alles wird deine Konzentration beeinflussen, also solltest du darauf vorbereitet sein und folgendes beachten:

 

1. Mach dir erstmal bewusst, dass jedes Publikum in ein Konzert kommt, um unterhalten zu werden. Es ist dein Freund, es ist neugierig und immer wohlwollend, die Leute wollen gute Laune haben. Kein Mensch geht in ein Konzert, um den Künstler auszubuhen. Auch wenn sie deine Songs noch nicht kennen, die Leute werden deine Leistung und deinen Mut, auf die Bühne zu gehen, immer honorieren.

 

2. Das Publikum will eine Show sehen, also gib ihm eine! Es geht nicht nur um die Musik die du machst, sondern auch um dich selbst. Also inszeniere dich, indem du dir etwas für deinen Auftritt überlegst! Gehe niemals “einfach so” auf die Bühne! Denke dir Ansagen aus und probe sie! Überlege dir, welcher Typ am besten zu deinem Programm passt und suche dir dementsprechend die passende Kleidung aus! Sei dieser Typ! Und wenn du dich nicht verkleiden willst weil du auch auf der Bühne du selbst sein möchtest, Okay! Bereite deine Ansagen und deine Erscheinung trotzdem vor! Du solltest wissen, wen und was du dem Publikum präsentieren möchtest. Es macht sich immer gut, in den Ansagen einige geistreiche Witze unterzubringen. Sage niemals etwas auf der Bühne, was du nicht vorher geprobt hast, glaube mir, es kommt nichts Gutes dabei heraus.

 

3. Präsentiere alles auswendig! Es sieht nicht gut aus, wenn du einen Notenständer vor dir hast und die ganze Zeit darauf starrst. Du kannst dir ja ein unauffälliges Plätzchen suchen, an dem du deine Noten oder deinen Text versteckst – für den Notfall.

 

4. Bevor du zum Auftritt gehst, bereite dich gründlich vor! Mache eine Liste mit all den Sachen, die du mitnehmen musst: Instrument(e), Verstärker, Kapodaster, Stimmgerät, Kostüm, Trinkflasche usw.. Arbeite die Liste am Vortag ab und überprüfe sie nochmal, kurz bevor du losfährst und nachdem alles im Auto verstaut ist. Wenn du eine zweite Gitarre hast, nimm sie mit! Man weiß ja nie…

 

5. Du musst das was du spielen willst vollkommen beherrschen. Wenn du deine Stücke und Lieder nur halb gut spielen kannst, lieferst du sie vor Publikum wahrscheinlich eher schlecht ab, weil du durch deine Nervosität zusätzlich beeinträchtigt bist. Ein befreundeter Gitarrist hat mir mal gesagt: “Wenn du deine Stücke im Schlaf beherrschst, kannst du eigentlich kein Lampenfieber mehr haben. Wozu denn?” Was er meinte war, dass uns die Gewissheit, unser Programm vollkommen zu beherrschen, Ruhe und Gelassenheit gibt. Lampenfieber muss eigentlich nur der haben, der sich selbst nicht sicher ist, ob er auch wirklich abliefern kann. Und damit du dir wirklich sicher bist, dass du dein Programm beherrschst, empfehle ich dir, es so intensiv zu üben, dass du jeden Song, jedes Stück motorisch auswendig kannst. Wie du das machst, habe ich in dem Beitrag “Über das Üben” beschrieben.

 

6. Baue dein Programm so auf, dass du am Anfang die leichteren Stücke spielst, das gibt dir Sicherheit. Und wenn am Anfang alles gut läuft und du dich erstmal an die Bühne und den Saal gewöhnt hast, wird dein Lampenfieber schnell verfliegen.

 

7. Konzentriere dich beim Auftritt! Versuche, an die Abläufe deiner Stücke zu denken und richte deine Konzentration bewusst weg vom Publikum! Das geht übrigens auch, während man beim Singen ins Publikum schaut, du musst nur dahin schauen, wo es dunkel ist. Auf die Leute kannst du dich am Schluss deines Auftritts konzentrieren, wenn alles vorbei ist und du deinen Applaus bekommst.

 

8. Nimm dir während des Auftritts die Zeit, dein Instrument zwischendurch zu stimmen, deine Mikros auszurichten und deinen Stuhl zurecht zu rücken! Du musst optimale Bedingungen beim Auftritt haben und dich wohl fühlen, sorge dafür!

 

9. Wenn du Applaus für einen Song bekommst, hast du etwas Zeit. Nutze sie, um dich darauf zu konzentrieren, was als nächstes kommt! Wenn du immer weißt wo du gerade bist, wirkst du gelassen und souverän.

 

10. Mache genau das, was du geprobt hast, versuche nicht mehr zu machen oder zu improvisieren! Werde nicht übermütig, du könntest es bereuen!

 

11. Wenn es zur Katastrophe kommt und dein Lampenfieber so stark ist, dass du nicht spielen kannst, gehe einfach von der Bühne, nimm dir eine Minute und geh wieder raus! Die Künstlerin Joan Baez hatte lange Zeit solche Probleme mit dem Lampenfieber, dass sie von der Bühne musste, zur Toilette ging, sich erbrach, ein bisschen weinte und dann wieder auf die Bühne ging. Und es hat jahrelang niemand bemerkt…

 

Wovor solltest du Angst haben? Du kannst dein Programm in- und auswendig, du hast alles dabei, du bist top vorbereitet. Also, jetzt geh da raus und unterhalte dein Publikum! Es ist dein Abend!

 

Markus Krutzfeld, 2017

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