Lehrer, Onlinekurs oder autodidaktisch? 1


Wie lerne ich Gitarre spielen?

Wenn du dich dazu entschlossen hast, Gitarre spielen zu lernen, wirst du dich fragen, wie du an das notwendige Wissen und an Spielliteratur oder Lieder kommst. Und wer erklärt dir das Wissen am besten und effektivsten?

Ganz klare Antwort: ein Lehrer. Egal ob ein Privat- oder ein Musikschullehrer. Denn einen Lehrer kannst du immer fragen, wie das was du noch nicht kannst, funktioniert, er kann ganz individuell auf dich eingehen. Er kann mit dir die Stücke und Lieder erarbeiten, die du spielen möchtest, oder dir welche vorstellen und beibringen, die gut zu deinem jeweiligen Spielniveau passen.

Auf der anderen Seite kostet ein Lehrer natürlich Geld, und gerade deshalb erfreuen sich kostenlose Online-Kurse und Gitarrenschulen für das Selbststudium so großer Beliebtheit. Und sie haben auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung, denn wenn ein Einsteiger es wirklich ernst meint und dran bleibt, kann er sehr viel aus Online-Kursen und Gitarrenschulen mitnehmen und lernen.

Ich selbst war zwei Jahre lang Autodidakt und habe mir das Notenlesen selber beigebracht, nachdem ich Mitschüler gefragt habe, wie das funktioniert. Als ich spieltechnisch nicht mehr weiterkam, auch nicht so recht wusste, welche Stücke ich am besten spielen soll, nahm ich mir dann einen Privatlehrer. Der hat mich mit einer individuellen Stückauswahl sehr motiviert und hat mir all die grundlegenden Techniken beigebracht, die ich noch nicht kannte. Allerdings gab es zu meiner Zeit noch kein Youtube, das heißt, man musste wirklich jemanden fragen, wie etwas funktioniert, es gab kein öffentlich verfügbares und obendrein noch kostenlos zur Verfügung gestelltes Wissen.

 

Mein Ratschlag: nimm am Anfang alles an Wissen mit, was dir kostenlos zur Verfügung steht und schau, wie weit du damit kommst. Und wenn du irgendwann dein Spielniveau erhöhen willst, nimm dir einen Lehrer. Fast alle großen Gitarristen hatten mindestens einen Lehrer. Mit ihm erreichst du leichter deine Ziele und hast schneller Erfolg, weil er nicht nur verhindern kann, dass du dich in deiner Übungsstruktur verhedderst, das Falsche übst und zu unkonstant bist, sondern auch dazu beitragen kann, dass du Kontakte zu anderen Musikern hast und erste Auftrittsmöglichkeiten erhältst.

 

Gibt es gute und schlechte Gitarrenlehrer?

Oh ja. Manche Lehrer versuchen, bei ihren Schülern alte und überkommene Dogmen durchzusetzen, zum Beispiel, dass man den Daumen der linken Hand nicht so halten darf, dass er über den Hals hinausschaut, oder dass die Fußbank die einzige Möglichkeit ist, eine entspannte Haltung zu haben. Solche Lehrer sind natürlich keine guten Lehrer. Gerade Fragen zur Haltung der Gitarre sind heikel, weil die Gitarre nunmal schwierig zu halten ist und viele Gitarristen sich daher eine ganz individuelle Haltung angeeignet haben. Manche Lehrer versuchen, es dem Gitarristen am Anfang besonders leicht zu machen, zum Beispiel indem dem Schüler beigebracht wird, einige Griffe unvollständig zu greifen, so dass sie vermeintlich leichter sind. Das führt aber letztlich dazu, dass der Schüler den Griff wenig später noch einmal komplett neu lernen muss, weil er ihn in einem anderen Lied nun als vollständige Version benötigt. Solche pädagogischen Fehler findet man übrigens auch in manchen Gitarrenschulen und in so manchem Online-Angebot. Das Problem ist, dass der Einsteiger diese Fehler nicht kennt und sie damit unwissentlich begeht. Er muss also unnötige, zeitraubende Umwege gehen, um das falsch Gelernte wieder zu korrigieren, in dem er es nun nochmal lernt. Und genau das ist der Grund, warum ich diese Internetseite mache. Nachdem immer wieder neue Schüler zu mir kommen, die sich die ersten Griffe selbst falsch beigebracht haben, will ich ein bisschen dagegen steuern.

 

Was zeichnet einen guten Gitarrenlehrer aus?

Ein guter Lehrer muss sich mit dem Instrument und seinen Eigenheiten sehr gut auskennen, er muss alle Probleme, auf die ein Schüler irgendwann stoßen könnte, selbst gehabt und selbst gelöst haben. Er benötigt also viel praktische Erfahrung. Ein studierter Gitarrist ist in der Regel kompetent genug, Schüler zu unterrichten. Ein guter Lehrer sollte auch Bühnenerfahrung haben, das weist ihn als praktischen Musiker aus, der das Instrument in der härtesten aller Diziplinen, dem Liveauftritt, beherrscht. Der Lehrer sollte Lieder abhören, arrangieren und transponieren können. Das ist heutzutage deshalb so wichtig, weil die meisten Einsteiger eben Lieder singen und spielen wollen. Nur wenige Einsteiger interessieren sich am Anfang gleich für die Gitarre als klassisches Soloinstrument.

Letztlich ist der Lehrer natürlich nur der, der das Wissen vermittelt, das Instrument spielen lernen musst du selbst. Aber ein Lehrer kann dir enorm dabei helfen.

Markus Krutzfeld, 2017


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