Plektrum oder Finger?


Sollen wir mit einem Plektrum spielen oder lieber mit den Fingern zupfen?

Das kommt darauf an, was du machen willst. Auf der E-Gitarre wird fast ausschließlich mit dem Plektrum gespielt, allerdings spielen einige E-Gitarristen auch wechselweise mit den Fingern.

 

Was sind die Unterschiede?

Das Plektrum klingt etwas knackiger als das Zupfen. Wenn du dir allerdings mal einen Flamenco-Gitarristen anhörst, wirst du merken, dass der ebenfalls einen richtig knackigen Ton hat. Das liegt an der speziellen Anschlagsart der Flamencos und an der speziellen Bauweise der Flamenco-Gitarren, deren Klang sehr percussiv und höhenlastig ist. Hingegen klingt das Zupfen mit Fingernägeln auf Konzert- und Akustikgitarren normalerweise zwar sauber und klar, aber nicht ganz so knackig wie das Spielen mit dem Plektrum.

 

Akkordanschlag

Der Akkordanschlag mit dem Plektrum klingt klar und hell. Mit dem Plektrum gespielte Akustikgitarren werden gern unter den Schlagzeugsound gemischt, aber nicht wegen dem Sound der Gitarre, sondern wegen dem Anschlagssound, den das Plektrum auf den Stahlsaiten erzeugt.

Wenn man Akkorde mit den Fingern im Auf- und Abschlag spielt, entsteht zwar nicht dieser perlig klingende Sound, aber du kannst alle sechs Saiten gleichzeitig anschlagen und damit einen robusten und druckvollen Sound erzeugen. Das liegt daran, dass man beim Abschlag nicht nur die Hand abwärts bewegt wie beim Spiel mit dem Plektrum, sondern zusätzlich noch die Finger strecken kann, so dass die Abwärtsbewegung viel schneller ist und man dadurch alle Saiten gleichzeitig erwischt.

 

Melodiespiel

Mit dem Plektrum kannst du sehr schnelle Melodiepassagen spielen. Mit speziellen Techniken wie zum Beispiel dem Sweeping erreichen manche Gitarristen eine enorme Virtuosität. Mit den Fingern kann man mit der richtigen Technik ebenfalls sehr schnell spielen. Normalerweise benutzen die klassischen und die Fingerstyle-Gitarristen dazu zwei Finger, die im Wechsel anschlagen. Ich selbst benutze für sehr schnelle Passagen zusätzlich noch den Daumen, so habe ich drei Finger statt zwei zur Verfügung, womit sich die Anschlagsfrequenz des einzelnen Fingers verringert. Die einzelnen Finger müssen sich also selbst bei sehr hohen Tempi nicht so schnell bewegen wie beim Anschlag mit nur zwei Fingern.

Zupfen

Für das Solospiel und die gezupfte Liedbegleitung eignet sich das Plektrum nicht, denn es lässt sich mit ihm immer nur ein Ton auf einer Saite erzeugen. Das Arpeggiospiel, also das Spielen der Einzeltöne eines Akkordes nacheinander ist auch recht schwierig, weil das permanente Springen von einer Saite auf die nächste mit dem Plektrum nicht so leicht ist. Beim Zupfen können zwei und mehr Finger gleichzeitig angeschlagen werden, auch voneinander getrennt liegende Saiten, wie zum Beispiel die A- und die hohe e-Saite, lassen sich gleichzeitig ohne Probleme anschlagen. Dadurch lassen sich sehr vielfältige Begleitstrukturen spielen. Das Folkpicking zum Beispiel ist mit den Fingern ohne Probleme machbar, während es mit dem Plektrum überhaupt nicht möglich ist. Jazzgitarristen, aber auch einige E-Gitarristen spielen mit Plektrum und Fingern gleichzeitig und sie sind damit sehr variabel. Auch ein Daumenpick ist eine geeignete Variante, um den knackigen Sound des Plektrums mit den vielfältigen Möglichkeiten des Zupfens (Picking) zu kombinieren. Bestimmte Stilrichtungen sind auf bestimmte Anschlagsvarianten festgelegt. So ist Flamenco mit dem Plektrum undenkbar und Heavy Metal mit den Fingern ebenso. Das heißt aber nicht, dass es nicht Gitarristen gibt, die immer mal wieder Grenzen überschreiten. Mark Knopfler, Sänger und Kopf der Rockband „Dire Straits“ spielt zum Beispiel seine Fender Stratocaster grundsätzlich mit den Fingern und erreicht damit einen ganz individuellen Sound und auch eine beachtliche Virtuosität.

 

Im Vergleich bist du am variabelsten mit den Fingern, denn eigentlich gibt es nichts, was du damit nicht machen kannst.

 

Markus Krutzfeld, 2017

 

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